Die Grubenwehr-Ausdauerläufe
Das Ruhrgebiet hat mit seinem Reichtum an Steinkohle die Menschen in Deutschland mit diesem wichtigen Rohstoff versorgt. Dies hat Arbeitsplätze und weitere Industriezweige in die ursprünglich bäuerlich, landwirtschaftliche Region geholt. Im Rahmen des fortschreitenden Abbaus der Kohle und der damit verbunden Nordwanderung der Gewinnung, aber auch durch die Reduzierung der Fördermengen, veränderte sich das Gesicht der Region erneut. Die Menschen nehmen andere Aufgaben wahr. Die ehemaligen Betriebsflächen stillgelegter Bergwerke werden neuen Nutzungsmöglichkeiten zugeführt.
Die Vermeidung von Unglücken und die Rettung verunglückter Kameraden über und unter Tage, war und ist immer noch das Ziel der Grubenwehren der damaligen und heutigen Zeit. Die Grubenwehren der fördernden Bergwerke bestehen zum größten Teil aus freiwilligen Mitgliedern und werden nur im Ernstfall von der Hauptstelle des Grubenrettungswesens, die seit 1910 die Grubenwehren und Gasschutzwehren des Bergbaus in Nordrhein-Westfalen betreut, unterstützt.
Eine alte Grubenwehrerkenntnis besagt, dass eine gute körperliche Leistungs-fähigkeit – im Volksmund Kondition - für das Gelingen eines Einsatzes nicht unbedingt hinderlich ist. Aus eben diesem Grunde werden seit 1981 jährlich traditionell 10-km Läufe mit den Grubenwehren durchgeführt. Ausrichter dieser Grubenwehrausdauerläufe war jeweils ein Bergwerk, welches die logistischen Rahmenbedingungen zur Verfügung stellen konnte.
Den Segnungen einer durch Sport erreichten Kondition trugen die ansässigen Sportvereine schon immer Rechnung. Die aktive Erholung von Körper und Geist beim Sport ließ so in den Anfängen des 20. Jahrhunderts viele Sportvereine nicht nur in Rotthausen entstehen.
„Auf den Spuren der Grubenwehr“ ist daher seit Jahren das Motto der DJK Turn- und Sportfreunde Rotthausen 1910, der jährlich jeden zweiten Samstag im Mai wiederkehrenden Sportveranstaltung, des Internationalen Gelsenkirchener Volks-laufes, der unter anderem auch durch den Gelsenkirchener Park führt.
Das Ziel des Vereines ist es, weiterhin auf den „Spuren der Grubenwehr“ zu bleiben und von der Gelsenkirchener City eine Marathonstrecke zu den Industriedenkmälern in GE-Ückendorf mit „Malakow-Förderturm“ sowie dem Skulpturenpark mit der Himmelstreppe“ über das Gelände der Wattenscheider Zeche „Holland“ mit dem Weltkulturerbe Zollverein und dem Industriekulturpunkt Nordsternpark ins Leben zu rufen.
Auf der von der EU in Brüssel und dem Lande NRW finanziell gestützten „Route der Industriekultur“ erscheinen nun kreuz und quer durchs Ruhrgebiet verteilt viele restaurierte, erhaltenswerte Industriedenkmäler in Form von Fördertürmen, Kokereien und Eisenwerken.
Für den von der Zeche Dahlbusch maßgeblich geprägten Gelsenkirchener Vorort Rotthausen kommt dieser Erhaltungswille der Regierungen eine Nuance zu spät, denn hier wurden schon die sogenannten Wurzeln durch Sprengungen dem Erdboden gleichgemacht. So liegen die verbliebenen Industriedenkmäler in den Nachbarorten Essen-Kray, Essen-Schonnebeck, Essen-Katernberg, GE-Horst, GE-Hessler, GE-Ückendorf und BO-Wattenscheid. Lediglich einige, sehenswerte Steigerhäuser und Restsiedlungen der Bergarbeiter-herbergen wurden von der GfW mühevoll restauriert und somit erhalten.
Doch ein Zeugnis aus dieser Zeit hütet die GfW bis heute wie ihren Augapfel. Im Foyer der Wohnungsverwaltungsfirma am Grünen Weg 1 in Gelsenkirchen hängt immer noch ein Nachbau der legendäre Dahlbuschbombe. Zwar ist dieser Punkt nicht in der Route der Industriekultur enthalten, doch dieser Metallzylinderkorb, der auf der Zeche Dahlbusch in Rotthausen zur Rettung eingeschlossener und durch hereinbrechendes Gestein verschütteter Bergleute unter Tage konzipiert wurde, ist ein großartiges Rettungsgerät und hat seit ihrer Anwendung in vielen Rettungseinsätzen - auch durch Nachbauten - auf der ganzen Erde vielen Menschen das Leben gerettet.
Dieses Rettungsgerät ist ein stummes Zeugnis der Gefährlichkeit des Bergmannsberufes. Es beweist, dass auch damals schon innovativ gedacht wurde. Innovationen sind nicht nur heute bei der Suche nach neuen Belebungs-möglichkeiten einer sterbenden Region gefragt. Innovativ musste immer schon zu allen Zeiten an der Ruhr gedacht werden, nicht nur um den Gefahren im Bergbau zu begegnen und den Menschen bei der Ausübung seines schweren und gefahrvollen Berufes zu schützen.
So sind dann im Laufe der Jahre viele Erfindungen zur Bergsicherheit entstanden. Von unter den Firste befestigten Wassertrögen, die bei „Schlagenden Wettern“ den Explosionswellen im Stollen die entfaltende Kraft nehmen, bis zu leichten aber statisch wirksameren Stempeln, wurde die Bergsicherheit laufend in den Zechen an der Ruhr durch innovatives Handeln und Denken ständig verbessert.
Damit werde große Gräber, als stumme Zeitzeugen der Gefahren des
Bergmannsberufes - wie auf dem Rotthauser Friedhof durch Unglücke in den
50er Jahren auf der Zeche Dahlbusch entstanden - heute vermieden. Das dadurch
im Laufe der Jahre entstandene „Know How“ zur Vermeidung und Vorbeugung
von Unglücken im Bergbau, ist immer noch ein gängiger Exportartikel
der Region in alle Welt.